Update am 19.12.2016

 

Meine ehemalige Klavierlehrerin und Remscheider Kirchenmusikerin, Ruth Forsbach hat, nachdem ich Ihr meine fertige CD zugeschickt hatte, bei einem Treffen zu mir gesagt: “Sie brauchen Bach, aber Bach braucht Sie nicht”. Damit wollte sie zweifellos zum Ausdruck bringen, dass ich mich zwar der Musik Bachs bediene, jedoch für diese keinen Nutzen darstelle. Dass niemand die Musik des Johannes-Schenk-Trios “braucht” wenn es darum geht, die erhabene Musik Bachs zu verbreiten – dass ich mich also mit fremden Federn schmücke.

Dazu möchte ich anmerken, dass es heute ausschliesslich in der sog. “Klassischen Musik” ein völlig normaler Vorgang ist, wenn nicht ein einziger Ton von den vortragenden Musikern selbst stammt. Notierte Musik wird hier bis ins kleinste Detail einstudiert und vorgetragenen. Im Grunde genommen sind diese Orchester im besten Sinne das, was man landläufig als “Cover-Band” bezeichnet: Der kompositorische Eigenanteil dieser Formationen entspricht: NULL.

Wer auch immer in einem dieser durch Steuermittel hoch subventionierten Orchester jemals auf die Idee kommen sollte, Mozarts Kleine Nachtmusik beispielsweise auch nur um einen einzigen Ton zu erweitern, und sei er noch so schön, intelligent, witzig oder kreativ, darf sich der mitleidvollen Blicke seiner Kollegen – oder Schlimmeres – sicher sein.

In jeder anderen Musikrichtung wäre dies undenkbar. Egal, ob Rock/Pop, Jazz, Funk, Soul oder BLUES – diese Musiken wären ohne individuelle,  musikalisch schöpferische Anteile erst gar nicht entstanden! Selbst die Schlagermusik ist diesbezüglich ein Hort der Kreativität! Man könnte also mit Fug und Recht behaupten, dass die Grundlage der Geschäftsidee dieser Klassischen Orchester (die mit Unsummen öffentlicher Mittel subventioniert werden) das Schmücken mit fremden Federn schlechthin ist.

Das Zitat meiner Klavierlehrerin zeigt das in weiten Teilen der “klassischen” Musikwelt leider immer noch sehr verbreitete Vorurteil gegenüber “populärer” Musik auf.  Dabei wird m. E.  ausser Acht gelassen, dass die Musik, die wir heute mit dem Prädikat “Klassisch” versehen, zu deren Entstehungszeit meist selbst populär gewesen ist.

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